Gnade

… wäre Liebe käuflich!

Denn genau das wollten die Ablasshändler der katholischen Kirche um 1500 dem Volk weismachen: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ Und wer nur genug gibt, kann auch gleich für seine verstorbenen Verwandten mitbezahlen, damit sie nicht allzu lange im Höllenfeuer braten mussten. Ein Geschäft mit der Angst.

Luther setzte dagegen: Kein Geld und Gold der Welt rettet deine Seele. Das tut allein Gott, und zwar „gratis“ – aus lauter Gnade! Gottes Liebe ist nicht käuflich.

Daran halten wir fest, damit auch heute nicht der mit dem dickeren Portemonnaie näher an Gott ist, sondern für alle gilt: Gottes Liebe ist ein Geschenk!

 

… wären wir gnadenlos!

„Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Das hat sich Martin Luther immer wieder gefragt. Damit war er ein Kind seiner Zeit. Auf den Malereien von damals wird es deutlich. Jesus als Weltenrichter teilt die Menschen ein: Die „Guten“ kommen in den Himmel, die „Schlechten“ in das ewige Höllenfeuer. So lebten die Menschen damals in der ständigen Angst vor dem strafenden Gott, der alle Sünden sieht und durch bestimmte Taten, Gebete und andere (Ablass-)Handlungen gnädig gestimmt werden musste.

Luther hat in der Bibel gelesen und verstanden, dass die Menschen Gott nicht gnädig stimmen können. Weder mit Geld noch mit guten Taten. Es ist vielmehr Gott selbst, der ein großes Herz hat für die Menschen, mit all ihren Fehlern, Ecken und Kanten. Ihnen vergibt Gott immer wieder, seine Liebe bekommen wir „gratis“ – aus Gnade geschenkt.

Dazu die Kirchengemeinde Dollbergen-Schwüblingsen:
Dieses Geschenk Gottes verbleibt nicht in der Beziehung zwischen Gott und dem einzelnen Menschen. Es kann auch den Umgang der Menschen miteinander beeinflussen. Gottes geschenkte Gnade richtet uns Menschen auf, denn durch sie erfahren wir, dass Gott die Menschen liebt. Ein geliebter und angenommener Mensch fühlt sich wertvoll und kann ganz anders das eigene Leben annehmen. Anders, als Menschen, die sich in der Rolle der Verlierer sehen. Weil sie den vielen überfordernden Erfolgsbildern unserer Gesellschaft nicht entsprechen. Oder weil sie selbst hinter ihrer eigenen Erwartungen an sich selbst zurück bleiben. Oder, oder, oder. Solche Menschen empfinden das Leben als ziemlich gnadenlos. Können wir darauf hinwirken, dass diese Menschen statt immer neue „Ablasszettel“ mit Leistungsforderungen mal ein „Gnadenlos“ ziehen? Können wir also diesen Menschen ein Zeichen geben, dass auch sie geliebt, angenommen und wertvoll sind?
Standort: Erlöserkirche Uetze-Dollbergen