Selbstständigkeit

… wüsste ich, was ich glauben soll!

Die meisten Menschen zur Zeit Martin Luthers konnten weder lesen noch schreiben. Besonders wenn es um den Glauben ging, waren sie deshalb auf Autoritäten wie Priester, Bischöfe und den Papst angewiesen. Die römisch-katholische Kirche kennt bis heute das Lehramt. Dies bedeutet, dass der Papst in allen Fragen des Glaubens das letzte Wort hat – notfalls sogar gegen die Bibel! Er kann Kraft seines Amtes („ex cathedra“) unfehlbare Lehrentscheidungen treffen, die dann alle Katholiken als Lehre der katholischen Kirche annehmen müssen.

Luthers „Entdeckung“: Gott vergibt den Menschen aus Gnade ihre Sünden. Das zeigte sich in der Vorstellung, dass alle Gläubigen in der Taufe zu Priestern werden. Ein solches „Priestertum aller Getauften“ führte dazu, dass die Menschen sich immer weniger reinreden ließen, wenn es um ihr Verhältnis zu Gott und zur Kirche ging. In Himmelsangelegenheiten wurden immer selbständiger.

Eine solche geistliche Selbständigkeit ist zwar schön, macht aber Arbeit. Einerseits darf man Evangelischen nicht reinreden, wenn es um ihren persönlichen Glauben geht. Andererseits kann es manchmal auch echt anstrengend sein, wenn man sich immer wieder selbst fragt, was das alles mit einem selbst zu tun hat. Das war damals so und gilt bis heute noch: selber denken (und glauben) ist notwendig.

Standort: Martinskirche Ahlten